Einmal live in der Waldbühne dabei sein, das haben wir uns gewünscht. Diesen Sommer ließen wir den Traum wahrwerden. Am 16. Juni fand die Schlagernacht des Jahres statt. Ja, wir lieben Schlager. In unserem Erfahrungsbericht beziehen wir uns jedoch weniger auf das Event als auf die Location.

Schlagernacht in der Waldbühne

Anreise zur Waldbühne

Das ist einfach. Wie überall in Berlin funktionieren auch hier die öffentlichen Verkehrsmittel sehr gut. Man nimmt die S3 oder die S9 nach Spandau. Beide verkehren im Takt weniger Minuten und man kann sie bequem von den Knotenpunkten Alexanderplatz oder auch Bahnhof Zoo nutzen. Man fährt dann bis Pichelsberg und nach einem kurzen Spaziergang erreicht man die Waldbühne. Super soweit!

Einlass

Schon von weitem erkennen wir die Menschenmassen. Es gibt für über 20.000 Gäste zwei (!) Zugänge. Damit können wir uns nicht so ganz abfinden. Wir haben uns schließlich VIP-Tickets gegönnt. Schließlich finde ich eine dritte Zugangsmöglichkeit – für Menschen mit Handicap und eben für die Inhaber der VIP-Tickets.

Die Menschentraube dort ist zumindest überschaubar. Die Sicherheitschecks sind wie immer und damit absolut in Ordnung. Mitgebrachte Glasflaschen müssen entsorgt werden (ist Standard), Plastikflaschen dürfen mit. Aber das „Gepäck“, darf DIN A4 Größe nicht überschreiten. Mit Schablonen wird penibel geprüft, ob Taschen und Beutel auch ja nicht über dieses Maß hinausgehen. Das ist einfach nur albern.

Platzsuche

Bevor man sein Plätzchen erreicht, heißt es laufen und Treppen überwinden. Also gut zu Fuß sollte man schon sein. Mehr noch als sich in diesem Moment offenbart. Wir sind früh und haben keine Mühe, unseren Bereich zu finden. Zugute kommt uns natürlich auch, dass wir uns vorab im Internet angeschaut haben, wo sich der VIP-Bereich befindet. Er befindet sich direkt in der Mitte, prima Sicht auf die Bühne. Man ist einfach mitten drin und je mehr sich die Waldbühne füllt, umso gigantischer ist die Atmosphäre.

Gesessen wird auf langen schmalen Bänken. Alles andere als bequem, vor allem wenn man bedenkt, dass man die nächsten ca. 8 Stunden darauf zubringt. Aber ok, es ist open air und man kann da nicht mehr erwarten. Unsere bislang nicht vorhandene Erfahrung führte – wie wir nun erkennen – zu absolut mieser Vorbereitung. Andere haben sich Kissen mitgebracht oder Decken. Wir erstehen schließlich eine Waldbühnendecke, um es etwas bequemer zu haben.

Waldbühne Berlin

Das Wetter

Was ist eigentlich das beste Wetter für ein Open Air Event? Wenn es nach mir ginge, wären da 23-25 °C, eine ganz leichte Brise und ein etwas bewölkter Himmel. Nunja, nach mir ging es natürlich nicht. Und so gab es zwar an paar Wölkchen am Himmel, aber die verzogen sich bald und es war deutlich zu warm. In dem kesselartigen Gelände der Waldbühne staute sich die Hitze doch mächtig. Und wenn die Wölkchen nicht gerade die Sonne verdeckten, brannte diese unbarmherzig auf uns herab. Ok, Regen wäre schlimmer!

Waldbühne Berlin

Da hilft nur Trinken – Die Getränkeversorgung

Es waren zahlreiche Getränkeverkäufer mit Bauchladen unterwegs. An sich ist das gut. Bier und Cola zum Preis von 5,50 € für einen Becher in Größe 0,5 l, oder waren es doch nur 0,4 l, da waren wir uns nicht sicher. Blöd, dass es bei näherem Hinsehen, ausschließlich Bier gab. Ganz blöd, dass Cola auch nicht nur bei einem Bauchlade aus war und beim nächsten Auffüllen wieder nachgetankt wurde, sondern dass generell ausschließlich Bier auf diese Weise angeboten wurde. Wenn man bedenkt, dass Einlass um 14:00 Uhr war und das Event bis 23:00 Uhr gehen sollte, ließ es sich so nicht überstehen.

Aber da waren ja direkt am Kesselrand drei Buden – eine für Würstchen und Co., eine für Getränke und eine dritte für irgendwas anderes, das wir uns nicht gemerkt haben. Dort gab es auch alkoholfreie Getränke. Man konnte wählen zwischen einem kleinen oder großem Becher oder dem 1 l Plastikgefäß, das aussah wie ein Messbecher mit Tragegriff.

Allein um Getränke zu holen, war man schon ca. eine halbe Stunde unterwegs. Ok, das Event war ausverkauft und 22.000 Menschen (so viele waren uns, wurde später bei der Eröffnung der Schlagernacht gesagt) sind nun mal eine ganze Menge. Da sollte es schon 1 l sein.

Wir freuen uns auf das kühle Wasser für zwei… und sind prompt schon mal 24 € los. Also für zwei Liter, die bei gleicher Sorte und gleicher Abpackung bei uns im Real 0,69 € pro Liter kosten. Der Preis setzt sich zusammen aus 10 € für den Liter Wasser und 2 € Pfand für den Messbecher.

Na dann Prost! Wir trinken gierig, aber der Appetit ist uns erst einmal vergangen, ob der Preise und weil wir null Bock darauf haben, uns noch einmal anzustellen, um an eine Würstchen zu kommen.

Da holen wir uns lieber eine Brezen vom Brezenstand für annehmbare 3,50 €.

Jetzt ist auch klar, weshalb so penetrant darauf geachtet wurde, dass kein Beutel über DIN A4 Größe in die Waldbühne kommt. Man könnte ja Getränke mitnehmen, um der unverschämten Profitgier ein Schnippchen zu schlagen!

Wegwerf-Plastikbecher-Pfand

Nein, das ist kein Scherz und auch keine Metapher. Das ist Waldbühne Berlin! Dort bezahlt man beim Bauchladen-Bierkauf (und natürlich auch am Stand) für den Wegwerf-Plastikbecher einen Euro Pfand. Dafür bekommt man einen Pfandchip. Mit diesem – und nicht etwa mit dem Becher – kann man den Euro zurückerhalten. Aber nicht beim Bauchladenverkäufer – sondern nur am Stand am Kesselrand. Dort wo man hinpilgern muss und anstehen.

Dieses System kann nur als totale Abzocke bezeichnet werden. Wir jedenfalls haben uns nicht die Mühe gemacht – am Ende noch einmal anzustehen, nur um die restlichen Bechermarken wieder in Euromünzen umzuwandeln.

Maite Kelly in der Waldbühne

Fazit zur Waldbühne

Pluspunkte

  • Die einfache Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Traumhaft schöne Kulisse und eine tolle Stimmung
  • Super Event

Minuspunkte

  • Langes Warten am Einlass da nur zwei Zugänge (wenn man keine VIP Tickets hat)
  • Penetrantes Prüfen, ob Taschen oder Beutel nicht größer als DIN A4 sind, was keinen sicherheitsrelevanten sondern ausschließlich kommerziellen Zwecken dient
  • Lange Wege, viele Treppen, um zum Platz zu kommen oder zu den Toiletten zu gelangen (das ist unvermeidbar, sollte man aber wissen)
  • Bauchladenverkäufer bieten nur Bier an – KEIN Wasser oder sonstige Softgetränke
  • Nur eine Getränkebude am Kesselrand, dort lange Wartezeiten, auch weil die Kommunikation zwischen denen, die die Bestellung annehmen und abkassieren mit denjenigen die die Wasserflaschen in Becher umkippen nicht klappt
  • Zweimal anstellen, wenn man etwas zu trinken und zu essen haben möchte
  • Abzocke durch Wegwerf-Plastikbecher-Pfand (Ehrlich jetzt, muss das wirklich sein?)

Dies war unsere 3. Schlagernacht. Waren in den beiden Jahren zuvor in der Lanxess-Arena in Köln gewesen, wo es uns jedes Mal super gut gefallen hat.

Wir hatten uns riesig auf die Waldbühne gefreut und waren am Ende ziemlich enttäuscht. Die tolle Location und Stimmung auf der einen Seite und ebenso das tolle Event schafften es nicht, die schlechte Organisation und die totale Abzocke in Bezug auf Getränke vergessen zu machen.

Bis zur Pause hatten wir nur für Getränke für zwei Personen etwa 80 € ausgegeben, zumeist für Wasser, dass im Supermarkt nicht einmal 1/14 des dort verlangten Preises kostet.

Eines ist sicher, das war noch lange nicht unsere letzte Schlagernacht. Aber die Waldbühne war doch eher ein Flop als das ultimative Erlebnis. Dort sieht man uns wohl nicht so schnell wieder!

 

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