Ich bin ja eigentlich kein ängstlicher Mensch. Fremde Länder auf eigene Faust zu erkunden, macht mir keine Angst sondern Spaß. Aber nachdem ich jetzt eine Woche in Israel bin und den Straßenverkehr beobachten konnte, muss ich zugeben, dass ich ein klein wenig Schiss davor habe, hier Auto zu fahren.

Müsste man anhand eines Tones ein Land identifzieren, so wäre das für Israel der Hupton eines Autos. Egal wie viel Verkehr ist oder wie wenig, es wird gehupt. In der Nacht und am Tage, es wird gehupt. Was aber noch schlimmer ist, es wird gedrängelt und ohne Rücksicht auf andere gefahren. Bei uns in Deutschland fiele das schon unter Nötigung.

Und nun war der Tag gekommen, an dem ich in dieses Haifischbecken springen musste. Ich hatte das Auto für 9:00 Uhr gemietet, bin aber schon um 8:00 Uhr zur Öffnung der Sixt-Filiale mit meinem ganzen Gepäck dorthin getappert. War ein knapper Kilometer vom Hotel, also ohne Probleme machbar. Ich dachte, je früher ich wegkomme, desto leerer sind die Straßen.

Ich erkläre, dass ich zum Toten Meer möchte und mir wird gesagt, es sei ok die Straße 1 und dann die 90 zu nehmen, machen alle. Ist einfach der kürzeste und einfachste Weg zum Toten Meer. Ist der Weg mitten durchs Westjordanland.

Mein Auto wird mir zur Sixt Filiale gebracht. Der Fahrer, der den Wagen übergibt, parkt direkt vor der Filiale und blockiert somit eine komplette Fahrspur. Da ging das Hupen schon los. Koffer rein, ich rein, losfahren… bloß weg.

Das Handy-Navi ist programmiert, aber ich konnte es natürlich nicht an der Scheibe festmachen, das hätte zu lange gedauert. Jetzt liegt es auf dem Beifahrersitz und blökt: „Fahren Sie in Richtung Nordosten!“ Ich glaub‘ es hackt, wo in Hergotts Namen soll ich den wissen, wo Nordosten ist? „Biegen Sie rechts ab.“ Bevor ich dazu komme. „Biegen Sie links ab.“ „Fahren Sie nach Südosten.“

mein kleiner Opel

So wird das nie etwas. Ich muss irgendwo anhalten. Aber WO???? In meiner Verzweiflung fahre ich eine Hotelauffahrt hoch. Kommt auch gleich so ein livrierter Portier. Ich lasse das Fenster runter und erkläre ihm, dass ich mein Navi programmieren muss und dann gleich wieder weg bin. Er hat ein Einsehen, es ist ok. „Toda raba!“ Vielen Dank!

Das Handy (Navi) klebt endlich da, wo es hingehört und siehe da, schon klappt es mit der Navigation. Ohren auf Durchzug, wer hupen will, soll das tun, tangiert mit nicht, nehm ich nicht persönlich.

Und dann bin ich auf der Straße Nr. 1. Danke lieber Gott! Hier in Jerusalem ist man schnell mal dabei, dem lieben Gott und allen Heiligen zu danken.

Nun bin ich also mitten im Westjordanland. Es gab nicht mal einen Kontrollpunkt. Aber auch davon habe ich gelesen, rein ist nie ein Problem, auf das raus kommt es an.

Ich fahre also auf der Straße 1 und dann auf der 90. Rechts und links neben mir rote Berge und sonst nichts. Irgendwann sehe ich an der Straße – inmitten von diesem Nichts – einen schwarzen Punkt. Als ich näherkomme, entpuppt sich dieser als voll verschleierte Frau, die den Arm hochhält, also per Anhalter fahren möchte. Na dann mal viel Glück!

Bergwüste

Irgendwann tauchen an der linken Seite der Straße Palmen auf. Von Ferne sehe ich eine Stadt. Ein Straßenschild lässt erkennen, dass dies Jericho ist.

Es geht weiter durch karge gebirgige Wüstenlandschaft. Dann plötzlich ein Kontrollpunkt. Der Schlagbaum ist unten, ich fahre langsam ran, halte. Ich lasse das Fenster runter, sage „Hello“ statt „Shalom“. So sehen sie, dass ich Touristin bin. Prompt geht der Schlagbaum hoch und ich kann weiterfahren. Keine Passkontrolle.

So lasse ich das Westjordanland hinter mir, passiere Ein Gedi, werfe einen kurzen Blick auf Masada.

Hotel Ein Bokek

Gar nicht viel später taucht vor mir Ein Bokek, die kleine Siedlung am Toten Meer auf, die mehr oder weniger nur aus großen Hotelbauten bestehen.

Mein Hotel in Ein Bokek

Es ist noch nicht einmal 11 Uhr, aber ich kann mein Zimmer schon beziehen. Das ist doch toller Service. Und dann Zimmer ist auch echt schön und groß und hat einen tollen Ausblick… auf das Tote Meer. Die Felsen dahinter sind schon Jordanien. Ich kann also im Bett liegen und nach Jordanien schauen… tolles Gefühl!

Hotelzimmer En Bokek

Mit fast 40°C ist es hier noch einmal einen Tacken heißer. So ist es kein Wunder, dass mich mein erster Gang zu einem Supermarkt führt und ich mich erst einmal mit Getränken – vor allem Wasser – eindecke. Man soll es kaum glauben, aber ein beachtlicher Teil meines Reisebudgets geht für Getränke drauf.

Am frühen Abend, sobald die Sonner hinterm Berg verschwunden ist, traue ich mich dann auch wieder hinaus. Ich laufe die paar Schritte zum Toten Meer und versuche mich im Schweben.

Ein Bokek

Im ersten Moment ist es total angewohnt, aber dann gleite ich sanft auf dem Rücken liegend auf der Wasseroberfläche dahin. Ein Wahnsinnsgefühl!!!

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