Nun ist endlich Shabbat und die Gegend um das Hotel wie ausgestorben. Bloß gut, dass mein Hotel keinen Shabbat-Lift hat, sondern dieser ganz normal funktioniert wie an anderen Tagen auch. Shabbat-Lift bedeutet, der Lift fährt automatisch und hält auf jeder Etage an.

Jerusalem an Shabbat

Ich möchte heute zum Friedhof am Mount Zion zu Schindlers Grab. Und danach noch einmal ganz in Ruhe durch die Altstadt spazieren.

Altstadt Jeruslaem

Ohne öffentliche Verkehrsmittel bedeutet das, dass wieder einiges an Kilometern zurückgelegt werden müssen. An Shabbat fahren weder Busse noch die inzwischen lieb gewonnene Light-Rail Straßenbahn. Nur Taxis sind unterwegs.

Jerusalem

Mit den Taxis kann es in Jerusalem manchmal schon etwas nervig sein. Da es so unheimlich viele davon gibt, „fangen“ diese ihre Kunden regelrecht von der Straße weg. Bleibt man mal stehen, nur um etwas im Stadtplan nachzusehen oder einfach nur so, ist garantiert schon ein Taxi da und will dich mitnehmen. Als ich von der Knesset kam und mit dem Bus in die Stadt zurückwollte, war es dasselbe. Eine ältere Dame und ich warteten an der Bushaltestelle, ein Taxi hielt und wollte uns unbedingt mitnehmen, unbedingt wissen, wo wir hinwollen. Also der Fahrer war ziemlich aufdringlich. Erst nachdem wir beide einhellig versichert haben, dass alles was wir wollen, Bus fahren ist, fuhr er weiter.

Jerusalem

Ich laufe also erst einmal in Richtung der Montefiore Windmühle und orientiere mich dann am Stadtplan. Es ist – welch eine Neuigkeit – brütend heiß, es geht die ganze Zeit bergauf und wieder bergab um dann wieder bergauf zu laufen. Und zu allem Überfluss gibt es keinerlei Schatten.

Ich finde endlich den Schotterweg der zum Friedhof führt. Mein mitgenommener Liter Wasser ist schon fast aufgebraucht. Und da stehe ich nun, bereits am Ende meiner Kräfte und vor mir liegt der Berg Zion und wartet darauf, erklimmt zu werden. Ein endlos erscheinender Weg führt hinauf und wieder Null Schatten.

So sehr es mein Wunsch auch war, Schindlers Grab zu besuchen, ich bin vernünftig genug, nicht den Versuch zu starten, diesen Berg zu erklimmen.

Kurz hatte ich überlegt, meinen zweiten Ausflug in die Altstadt nicht zu unternehmen, als ich am Freitagnachmittag von der Messerattacke gelesen hatte, bei dem ein Israeli schwer und ein weiterer weniger schwer verletzt worden war. Der Täter, ein 19-jähriger Palästinenser, war von Sicherheitskräften erschossen worden. Es war der erste Anschlag in Jerusalem seit Dezember.

Ich hatte mich bewusst dazu entschieden, nicht an einem Freitag in die Altstadt zu gehen. Die generell angespannte Lage ist gerade an Freitagen noch brisanter, da sich viele Muslime zum Freitagsgebet in der Al Agsa Moschee einfinden und gleichzeitig viele Juden zu Beginn des Shabbats Gebet zur Klagemauer gehen.

Treppe zum Ziontor

Da ich in vielen Reiseführern gelesen habe, dass man Samstag in aller Seelenruhe durch die Altstadt spazieren kann, entscheide ich mich dafür, bei meinem ursprünglichen Plan zu bleiben. Und so laufe ich zum nächst gelegenen Tor, dem Ziontor.

Ziontor

Das hatte ich mir anders vorgestellt. Ich hatte weder damit gerechnet, dass Busladungen Touristen an Shabbat angekarrt werden, noch damit, dass doch in manchen Bereichen der Altstadt vieles geöffnet ist, vor allem was die Souvenierläden angeht.

Souvenierläden Altstadt

Ich kaufe mir erst einmal einen der frisch gepressten Fruchtsäfte – dieses Mal Erdbeere mit allerlei anderen Früchten. Das weckt die Lebensgeister.

Dann spaziere ich ohne festen Plan durch die Gassen der Altstadt. Dieses Mal treffe ich auf keinerlei Sicherheitsposten. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich mich dieses Mal nicht in der Nähe des Tempelberges aufhalte. Dort war ich ja schon am Donnerstag und nach den Vorkommnissen vom Freitag, musste ich auch nicht noch einmal dorthin.

Ich gehe zur Grabeskirche.

Grabeskirche

Beobachte jüdische Kinder beim Ballspielen.

Kinder beim Ballspielen

Schließe Freundschaft mit einer Mieze, die mich noch ein Stück begleitet.

Katze

Sehe praktizierende Juden zur Synagoge eilen.

Und finde heraus, dass der Weihnachtsmann in Jerusalem wohnt und nicht am Nordpol!

Santa's Haus

Und lande irgendwie auf den Dächern der Altstadt, bevor ich mich in Richtung Jaffator aufmache und wieder zurück zum Hotel gehe.

Über den Dächern der Altstadt

Dort mache ich noch ein Foto vom Hotel und dann ist Kofferpacken angesagt, denn morgen geht es nach Ein Bokek ans Tote Meer.

mein Hotel in Jerusalem

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