Ich stehe tatsächlich heute Morgen um 10 Minuten nach 5 auf. Ganz kurz überlege ich, dem inneren Schweinehund nachzugeben, der vehement verlangt, dass weitergeschlafen wird.

Mit der Lightrail fahre ich zwei Stationen zum Damaskustor. Von der aus kann man mit der arabischen Buslinie 75 weiter zum Hotel „Seven Arches“ fahren. Vor diesem Hotel ist eine Aussichtsplattform, die einen grandiosen Blick auf die Altstadt erlauben soll. Das ist mein Ziel.Ich sehe keine Bushaltestelle, zumindest keine, von der eine Nr. 75 abfahren soll.

Da die Zeit rennt und das frühe Aufstehen war bringen soll, entscheide ich mich für die einfache Lösung: Ich fahre mit dem Taxi.

Ich frage nach dem Preis… „100 Schekel“, sagt der junge arabische Fahrer. Kurz überlege ich, doch nach Bus 75 zu suchen. Aber es würde mich doch sehr ärgern, wenn das gute Fotolicht nicht mehr da wäre. Habe ich überhaupt noch 100 Schekel. Ich muss doch heute erst wieder Geld holen. Die Gedanken rasen durch meinen Kopf.

Ich krame mein Portemonnaie vor und finde dort einen 50er und einen 20er Schein. „Soviel habe ich nicht“, erkläre ich – natürlich auf Englisch.‘
Wieviel ich denn habe, fragt er.
„70„ sage ich und halte die Geldscheine in die Luft.
„Mehr nicht?“
Er hört wohl das Klimpern in meiner Geldbörse und hofft wohl, mit ein paar 10 Schekel Stücken doch noch die 100 voll zu bekommen.
Ich bin nicht so blöd, ihm den Gefallen zu tun und halte ihm ein 1 Schekel Stück entgegen – ganze 25 Cent umgerechnet.
Er sagt ok und ich bekomme meine Taxifahrt für 70 Schekel. Gut gehandelt fürs erste Mal!

Straßenschild

Nun geht es ohne weitere Verzögerungen auf den Ölberg. Dieser heißt so wegen der vielen Olivenbäume, die dort wachsen. Der Reiseführer, der die Plattform beim „Seven Arches“ Hotel empfohlen hat, hat wirklich nicht zu viel versprochen. Der Blick auf die Altstadt und besonders den Felsendom ist gigangisch!

Blick auf die Altstadt mot Felsemdom
ich und die Altstadt

Zurück geht es dann zu Fuß. Auf dem Weg befinden sich einige Sehenswürdigkeiten wie die Paternoster-Kirche und die wunderschöne Maria Magdalena Kirche.

Ich bin zwar nicht großartig gläubig, aber trotzdem berühren mich Kirchen.

Und wie sich die Maria Magdalena Kirche an den Berg schmiegt, ist einfach nur wunderschön.

Maria Magdalena Kirche

Und dann steht da plötzlich ein Kamel…

Kamel

Leider ist der Garten Gethsemane noch geschlossen. Die uralten Olivenbäume möchte ich schon sehen. Ich beschließe, erst einmal in Richtung Löwentor zu tappern. Man durchschreitet das Kidrontal, wie der Bereich zwischen Tempelberg und Ölberg genannt wird.

Nach jüdischem Glauben wird der Messias über den Ölberg nach Jerusalem einziehen und im Kidrontal das Jüngste Gericht halten. Deswegen wurde am Hang des Berges ein ausgedehnter jüdischer Friedhof angelegt. Der Friedhofs, dessen Gräber teilweisl noch aus biblischer Zeit herrühren, wurde im Palästinakrieg 1948 stark beschädigt.

Jüdischer Friedhof Ölberg

Das Goldene Tor

Goldenes Tor

Auf dem Weg zum Löwentor sieht man auch das Goldene Tor.

  • Das Goldene Tor ist eines der acht Tore zur Altstadt von Jerusalem. Es ist das einzige Tor in der Stadtmauer, das direkt auf den Tempelberg führt. Nach christlicher Überlieferung fand der Einzug Jesu in Jerusalem als Messias durch dieses Tor statt. Am Ende des Jüdischen Krieges wurde die Stadt 70 n. Chr. zerstört.1537–1541 erfolgte der Wiederaufbau unter dem türkischen Herrscher Süleyman der Prächtige. Das Goldene Tor wurde gleich nach dem Wiederaufbau auf Geheiß von Süleyman zugemauert und versiegelt. Die Versiegelung des Tores wird häufig so interpretiert, dass Süleyman und seine Zeitgenossen dadurch die Ankunft des jüdischen Messias hätten verhindern wollen, der nach jüdischem Glauben am „Ende aller Tage“ hier in die Stadt einziehen soll. Wahrscheinlicher ist, dass die Osmanen es nach dem Ende der Kreuzfahrerzeit schlossen, um „Ungläubigen“ den Zugang zum Tempelberg zu verwehren.
    Quelle: Wikipeda (gekürzt)

Die Altstadt

Löwentor

Man muss eine leichte Anhöhe erklimmen und dann betrete ich die Altstadt durch das Löwentor. Die rientierung in der Altstadt fällt nicht leicht. Ein älterer Mann spricht mich an, was ich denn suche. Ich sage es ihm. Anstatt mir die Richtung zu weisen, lässt er sich nicht davon abbringen, mich zu begleiten. Natürlich gibt es diesen Service nicht ohne Eigennutz. Am Ende „möchte er etwas haben“ und gibt sich erst zufrieden, als ich ihm 10 Schekel gebe.

Munteres Gewusel in der Altstadt

Ich versuche auf den Tempelberg zu kommen. Leider wird mir am Wachposten gesagt, dass der Tempelberg für Nichtmuslime gesperrt ist. Vielleicht am Sonntag. Ok, Sonntag bin ich schon unterwegs zum Toten Meer. Und ein „vielleicht“ ist einfach zu wenig, um die Abfahrt zu verschieben. Hat nicht sollen sein.

Wachposten Altstadt

Ein wenig spürt man hier schon, dass man sich an einem exponierten Ort befindet, wo die Angehörigen verschiedener Religionen und Kulturkreise auf engstem Raum zusammenleben. Das geht nicht ohne Spannungen. Man trifft dann hier in der Nähe des Tempelbergs und der Klagemauer auch alle paar Meter (etwas übertrieben) auf Wachposten bzw. bewaffnetes Sicherheitspersonal. Trotzdem kommt bei mir nicht das Gefühl auf, in Gefahr zu sein, es ist eher so, dass ich mir der Brisanz der Situation bewusst werde.

Kein Tempelberg, also laufe ich zur Klagemauer, die im Englischen Western Wall und auf Hebräisch einfach Kotel heißt. Die gläubigen Juden bei der Ausübung ihrer Religion zu beobachten, ist auch ein sehr beeindruckendes Erlebnis.

Klagemauer
Klagemauer

Appropos Hebräisch: Es war gut, dass ich ein paar Worte gelernt habe. Kommt sehr gut an. Im Supermarkt hat es manchmal den Nachteil, dass man mir den Preis dann auf Hebräisch sagt… und ich natürlich nur „Bahnhof“ verstehe…

Nach dem Besuch an der Klagemauer, kämpfen sich meine müden Füße noch einmal bis zum Garten Getsemane durch. Es ist inzwischen 9:00 Uhr und 33°C.

Garten Gethsemane

Den Garten Getsemane habe ich mir anders vorgestellt. Zum einen größer. Aber was dieses Gartengefühl völlig verhindert ist, dass das Gärtchen eingezäunt ist und die Touristen drumherumlaufen können. Irgendwie hatte ich die vielleicht auch völlig abwegige Idee vom Sitzen im Schatten eines jahrhundertealten Olivenbaumes.

Wäre nicht gleich daneben die Kirche der Nationen, wäre der Gartenbesuch in fünf Minuten erledigt gewesen. Und dafür die ganze Strapaze noch einmal hier her zu laufen und jetzt wieder zurück.

Eingang Kirche der Nationen
Gottesdienst Kirche der Nationen

Denn der kürzeste Weg zur Lightrail führt durch die Altstadt, vom Löwentor zum Damaskustor.

Damaskustor
Damaskustor

Mein Morgenspaziergang ist am Ende 12,5 km lang und dauert fast bis Mittag. Inzwischen sind es 37°C. Ich brauche dringend eine Pause!

Am Nachmittag heizt es sich noch etwas mehr auf. Ich danke Gott oder wem auch immer dafür, dass ich die Idee hatte, Elektrolyte mitzunehmen. Ohne die wäre ich aufgeschmissen.

Me’a She’arim

Für den Nachmittag steht mal wieder ein Spaziergang an. Diesmal geht es ins Ultraorthodoxe Viertel Me’a She’arim. Meine Kameratasche befindet sich zusätzlich in meinem Ruckbeutel, damit nicht auf den ersten Blick klar wird, dass ich eine Kamera dabeihabe. Denn in Me’a She’arim bleibt man lieber unter sich.

Ein paar Fotos möchte ich schon machen. Gleichzeitig möchte ich nicht riskieren, mit Steinen beworfen zu werden. Am Ende geht alles gut, ich habe ein Paar Fotos und es kamen keine Steine geflogen… ok, noch ist ja auch nicht Shabbat. Denn an Shabbat ist in Me’a She’arim Schluss mit lustig… also mit Fotos…

Mea Shearim

Aber mal im Ernst: Entworfen vom deutschen Architekten, Conrad Schick wurde 1874 mit dem Bau von Me’a Sche’arim begonnen. Religiöse Juden Jerusalems wollten vor den Toren der Stadt eine autarke eigene Siedlung errichten. Heute wird Me’a She’arim immer noch von ultraorthodoxen Juden bewohnt. Gesprochen wird hier zumeist Jiddisch und man hält sich an die traditionelle Auslegung der Tora. Am Schabbat dürfen Autos hier nicht fahren, elektrische Anlagen sind ausgeschaltet und man darf in der Öffentlichkeit weder fotografieren noch telefonieren.

Mahane Yehuda Markt

Mahane Yehuda Markt

Mit der Lightrayl geht es zum Mahane Yehuda Markt. Verglichen zum Ha‘Carmel Markt in Tel Aviv gefällt es mir hier besser. Man hat viel mehr Möglichkeiten, Lebensmittel zu kaufen und auch um etwas zu essen.

Heute werde ich etwas mutiger und esse Shawarma. Echt lecker, nur mit Salat und Pita-Brot und Pommes – was alles noch dazu kommt – ist es viel zu viel für mich.

Shawarma

Dann decke ich mich mit Lebensmitteln für den bevorstehenden Shabbat ein. An Shabbat ruht das öffentliche Leben. Alle Geschäfte und auch Restaurants sind geschlossen. Keine öffentlichen Verkehrsmittel!

Mit vollen Tüten geht es zurück ins Hotel. Nach insgesamt 19 gelaufenen Kilometern bei dieser brüllenden Hitze sehen ich mich nur noch nach einer Dusche und dann Füße hochlegen.

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