Heute Morgen hieß es Abschied nehmen von Tel Aviv und so auch von Momos Hostel. Ein letztes Mal zum Frühstück Thunfisch-Sandwich und Tee. Dass es da so wenig Abwechslung gab, lag überigens nicht an Momo, sondern daran, dass ich sehr eigen bin, was Essen angeht.

Die Abwechslung in Jerusalem wird erst einmal sein, dass es überhaupt kein Frühstück gibt. Aber etwas Essbareres aufzutreiben, sollte nun wirklich kein Problem sein.

Auf den letzten Metern hat dann Momo‘s Hostel noch einige Punkte gut gemacht. Als ich mit meinen Koffern die Treppe herunterkam, sprang sofort jemand herbei, um mir behiflich zu sein.

Ich hatte vor mit Bus Nr. 16 – Haltestelle ca. 400 m entfernt – zur Zentralen Bus Station zu fahren. Der nette junge Mann an der Rezeption fragt bei der Schlüsselrückgabe, ob ich zum Flughafen muss. Also ich ihm von meinen Weiterreiseplänen nach Jerusalem erzähle, rät er mir mit Nr.10 zum Savidor Center zu fahren und dort den Bus Nr. 480 zu nehmen, der direkt nach Jerusalem fährt, da dies doch mit dem ganzen Gepäck besser sei.

Dieser Tipp war wirklich Gold wert. Alles klappt wie am Schnürchen und ich bin schon vor 10:00 Uhr in Jerusalem. Die Busfahrt von Tel Aviv nach Jerusalem gibt es für sagenhaft günstige umgerechnet 4 Euro. Die Stadt zieht mich vom ersten Augenblick in ihren Bann.

Mit der Light-Rail Linie 1 – der ersten und einzigen Linie der Jerusalemer Straßenbahn – fahre ich bis zum Jaffa Center.

Light-Rail Jerusalem

Von dort sollen es etwa 600 m bis zum Hotel sein. Es sind aber höchstens 200 m, bis ich das Schild „Ben Hillel“ sehe. Aber bei der Nr. 11 gibt es kein Hotel. Komisch!

Ich krame meinen Stadtplan heraus und es wird klar, ich muss die King George weiterlaufen und siehe da kurz später bin ich an der Hillel Straße… ohne „Ben“ und dieses Mal finde ich bei Nr. 11 auch das Hotel.

Straßenzug Jerusalem

Mit den Straßennamen ist das in Israel so eine Sache. Sie werden mal so und mal so geschrieben, oft in jedem Reiseführer ein wenig anders, aber nicht nur das… auch die Straßenschilder selbst können – falls vorhanden – ein paar Meter weiter schon variieren. Wenn also die Straßenbeschriftung so ähnlich klingt wie das, was man sucht, stimmt es meistens. Nur eben nicht mit bzw. ohne „Ben“.

Da ich so früh bin, ist mein Zimmer noch nicht fertig. Ich kann aber mein Gepäck unterstellen und starte dann mal gleich meinen ersten Sightseeing-Trip.

Spaziergang zum Regierungsviertel – zur Knesset.

Dorthin ist es ein schöner Sparziergang durch einen Park.

Park mit Blick auf Wohnhäuser

Am Beginn des Geländes steht ein Wachmann in seinem kleinen Wachhäuschen. Ich bin sicher, dass man weiter nicht ran darf, aber Fragen kostet ja nichts.

Wieder Erwarten werde ich doch durchgelassen. Gab es bei den Baihai-Gärten eine Sicherheitskontrolle mit Metalldetektor, gibt es dies zumindest hier nicht. Hier gibt es gar nichts in der Richtung, erst später, wenn man direkt zum Gebäude möchte.

An dieser Stelle doch noch ein paar Worte zum Thema Sicherheit

  • Ich habe mich bislang an jedem Ort bzw. zu jeder Zeit hier in Israel sicher gefühlt. Auch gibt es weder eine große Militär- noch Polizeipräsenz. Militär im Einsatz sieht man überhaupt nicht. Man trifft zwar häufiger junge Menschen in Uniform, die auch ihr Gewehr dabei haben, aber das Magazin ist niemals drin. Es sind ganz entspannte fröhliche junge Menschen, die wahrscheinlich auf dem Weg nach Hause sind. Polizei sieht man nicht mehr als in deutschen/europäischen Städten. An Bahnhöfen gibt es eine Sicherheitskontrolle. Aber auch hier sind alle äußerst cool drauf. Man legt einfach sein Gepäck aufs Band, geht durch den Detektor und fertig. Ein zwei Male habe ich es an einem großen Geschäft gesehen, dass da ein Wachmann mit Hand-Metalldetektor stand.
Knesset

Ich mache an der Knesset ein paar Fotos, vor allem auch von der großen Menora.

Menora gegenüber der Knesset

Dann geht es noch kurz zum Isreal Museum. Ich bin zwar keine allzu große Museumsgängerin, aber das Gebäude ist einfach faszinierend.

Israel Museum

Danach geht es zurück zum Hotel mit dem Bus. Da heute noch eine weitere Stadterkundung auf dem Programm steht, heißt es Füße schonen.

Esse noch eine Suppe auf dem Weg und holfe ein paar Getränke im Supermarkt. Trinken ist das A und O bei diesen Temperaturen. Wir haben einiges über 30 °C. Dann ist es zwar noch immer recht früh, aber ich kehre zurück zum Hotel. Ich habe Glück, mein Zimmer ist fertig.

Hotel Hillel 11

Dieses Mal ziehe ich in den 8. Stock, aber es gibt einen Lift. Nur an Shabbat möchte ich noch nicht denken. Nunja, über diese Brücke gehe ich, wenn ich davor stehe.

Dieses Hotel ist schon ein ziemlicher Aufstieg, vor allem was das Gepflegtsein des Ganzen angeht. Das Haus ist neuer und die Einrichtung ebenso – im Vergleich zu Momo.

Dennoch sollte man dem Architekten zumindest die Lizenz zum Bauen entzogen haben. Weshalb? Nunja, das Bad… Das Bad besteht aus einer Toilette und einer Dusche. Wenn man in diese Dusche möchte, kriecht man irgendwie in den Spalt zwischen Toilette und Dusche, öffnet die Tür soweit es geht, also bis sie an die Toilette stößt und schlängelt sich rein. Ich schaffe das mit ein wenig gutem Willen… aber ein normal gebauter Mann hätte keine Chance. Außerdem ist die einzige Steckdose im Bad zu 90 % von einem Spiegel verdeckt, ist nur soviel zu sehen, dass man weiß, dass dort eine wäre… Ich werde noch ein Foto machen…

Da ich aber eine Verteilerdose mitgenommen habe, besteht hier keine Not. Die Größe des Zimmers genügt allemal, es gibt sogar einen Kühlschrank und einen Wasserkocher nebst Teeglas und Teebeutel. Was will man mehr?!

Nachmittagsspaziergang

Nachdem ich mich ein wenig eingerichtet und ein wenig ausgeruht habe, geht es wieder los. Für den späten Nachmittag steht ein Spaziergang durch das Russische Viertel, den Park mit der Montefiore-Windmühle, der First Station bis hin zur German Colony an. Dieser Nachmittagsspaziergang umfasst so ca. 6 km.

Zuerst spaziere ich durch das Russischen Viertel, wo ich diese Kirche fotografiere.

Kirche Russisches Viertel Jerusalem

Mein Weg führt mich vorbei am King David Hotel, einem Luxushotel mitten in Jerusalem. Weltweit bekannt wurde es durch den Bombenanschlag am 22. Juli 1946 durch die radikal-zionistische Terrororganisation Irgun. Obwohl größtenteils als Hotel genutzt, beherbergte das King David damals auch Abteilungen der britischen Mandatsregierung und Büros des Generalstabs der britischen Armee für Palästina. Der größte Teil des Komplexes wurde aber immer noch als Hotel genutzt.

Am späten Vormittag des 22. Juli fuhr eine Gruppe als arabische Arbeiter verkleideter Irgunmitglieder zum Lieferanteneingang des Hotels und luden mehrere Milchkannen gefüllt mit Sprengstoff ab. Nach dem offiziellen Bericht des Hauptquartiers (HQ) der britischen Streitkräfte in Palästina vom 23. Juli 1946 fand eine Detonation um 12:25 Uhr statt. Um 12:20 Uhr, so der offizielle Bericht des HQ vom 23. Juli, verließ die Gruppe der Irgun das Hotel, um zu fliehen. Es kam nun zum Schusswechsel zwischen herbeieilenden britischen Sicherheitskräften und den Kämpfern der Irgun. Hierbei wurde einer der Angreifer, Aharon Abramowitsch, getötet und zwei weitere verletzt. Um 12:37 Uhr erfolgte die Explosion des Sprengsatzes im Untergeschoss.

Nach der Explosion wurde umgehend das Gebiet um das Hotel abgesperrt und später eine Ausgangssperre verhängt. Pioniere der britischen Armee mit schwerem Gerät sowie einzelne Personen suchten in den Trümmern nach Überlebenden.

Mit Entsetzen verfolgte die Öffentlichkeit die steigende Anzahl von Getöteten, Verwundeten und Vermissten. Die Angaben hierüber gehen jedoch auseinander. Einige Quellen sprechen von 91 Opfern, andere von 92, 93 und sogar 176. Die Opfer waren überwiegend Zivilisten. Keines der Opfer der Bombenexplosion war aktiver britischer Soldat.

(Quelle der Informationen über den Anschlag: Wikipedia)

Eingang zum King David Hotel heute

Direkt gegenüber vom King David Hotel befindet sich das imposante YMCA 3 Arches. Leider darf ich nicht auf den Turm hochfahren.

YMCA 3 Arches

Dann geht es weiter zum Park mit der Montefiore Windmühle.

Montefiore Windmühle

Dort treffe ich auf eine Bar Mizwa Gesellschaft und bekomme einen ersten Blick auf die Altstadt.

Blick auf die Altstadt
First Station Jerusalem

Vorbei an der First Station, Jerusalems altem Bahnhof, der heute Restaurants und kleine Läden beherrbergt, laufe ich weiter zu Deutschen Kolonie. Dort wollte ich ursprünglich auch übernachen. Ich bin froh, dass ich mich anders entschieden habe. Hier ist es zwar schön, aber einfach zu wie weg vom Geschehen.

German Colony

Mit dem Bus geht es zurück in Richtung Hotel. Inzwischen ist die Sonne untergegangen und die blaue Stunde angebrochen.

Blaue Stunde Ben Yehuda Street

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